Jan 22

Die Welt in 1*1 Meter

2014-01-06_18.34.28Wenn man sich ein wenig für Computerspiele interessiert, so hat man sicherlich auch irgendwann einmal von Minecraft gehört. Das Spiel ist ein guter Beweis dafür, dass eine gute Idee keine Majorstudios braucht und dennoch ein wahnsinnger Erfolg sein kann. Notch (gewählt auf die Nummer 2 der Time Magazine People 100 2013) hat etwas erschaffen was einfach großartig ist … zumindest wenn man als Kind ein wenig Lego in seinem Kinderzimmer hatte, denn vom Grundgedanken her ist Minecraft nichts anderes.

Für alle die nicht wissen worum es geht, hier eine kleine Zusammenfassung. Minecraft gehört zur Gattung der Open World Spiele. Es gibt kein Endziel auf das alles hinzusteuert und damit das Spiel enden lässt, sondern im Zweifelsfall wächst das Spiel kontinuierlich weiter. Der Spieler kann umherziehen und quasi unendlich weit laufen, denn immer dann wenn er an das Ende der Welt kommt, wird ein weiterer Abschnitt generiert. Die einzige Grenze ist hierbei im Grund der Rechner, der logischerweise irgendwann eine Welt nicht mehr halten kann und alle viere von sich streckt.
Der Spieler selbst wird dabei einfach mit nichts ausser seinen Klamotten in die Welt geworfen und darf nun je nach Spielmodus seinen Lieblingsbeschäftigungen frönen.
Ist man eher der Legobaukastenspieler wird man zum Kreativmodus greifen. Hier wird man nicht angegriffen, hat unendlich Ressourcen, Hunger und Gesundheit tangieren einen relativ wenig und zur Krönung ist das Fliegen kein Problem.
Wer hingegen die Legoerfahrung mit ein bißchen Spannung kombinieren möchte, der greift zum Survivalmodus.
Hier geht es darum sich aus dem Nichts eine Welt zu erschafffen, zu überleben und evtl. nach einem Tripp in die Hölle mit einem Drachen zu kämpfen.
Der Survivalmodus ist der, welcher es auch mir am meißten angetan hat. Von der ersten Nacht in einem Erdloch bish hin zur eigenen Luxushütte mit Reitpferd, Premiumausrüstung und dekadentem Essen ist es ein langer Weg. Hier gilt es die körperlichen Befindlichkeiten (Hunger, Gesundheit, Schutz) mit den Notwendigkeiten des Ausbaus (Beschaffung von Baumaterial, Brennstoff, Erzen) der eigenen Lage zu verbinden und so eine gesicherte Existenz aufzubauen. Je nachdem wie schwer man es haben will, stehen drei Schwierigkeitsgrade und ein Hardocremodus (hier bedeutet Tod keine Reinkarnation) zur Auswahl.

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Wie mach sich das Spiel nun gestaltet hängt von jedem Selbst ab, aber besonders interessant wird es erst, wenn sich mehrere Leute zusammen finden und ein echtes Gemeinwesen aufbauen. Hierzu ist natürlich ein Server von Nöten, aber in unserem Fall war die Investition für einen 10 Slot Server mit 100€ für ein Jahr durchaus übersichtlich, wenn man das Geld teilt.
Angefangen hat es bei uns (wie so oft) natürlich auch in einer Erdhöhle, mit bloßen Händen oder einfachen Werkzeugen.
Heute haben wir um das daraus entstandene Rathaus ein kleines Dorf aufgebaut, bewirtschaften mehrere Felder, betreiben ausgedehnte Minenoperationen, bzw. ein florierendes Straßenbauunternehmen.
Ideen gibt es jede Menge, welche mit der Zeit noch umgesetzt werden sollen, und alle sind begeistert mit dabei.
Die Motivation ist groß und nicht zuletzt die kreativen Ein- und Ausfälle der einzelnen Beteiligten sorgen dafür, dass man bei jedem Einloggen etwas neue zu entdecken hat, oder einen neuen schrägen Gag findet.

Mein eigener kleiner Plan sah erstmal vor nach der Fertigstellung des ersten eigenen Hauses für eine gesicherte Nachfuhr von Rohstoffen und Nahrung zu sorgen. Eine Baumschule, sowie Farmen für Schweine und Hühner sind fertig und ein großes Kartoffelfeld stopft die hungrigen Maüler.
Ein eigenes Pferd steht vor dem Tor angebunden und jetzt wird es Zeit wieder unter Tage zu gehen. Vorher soll allerdings noch ein Wolf gezähmt werden (wenn ich einen finde).

Die Reisen unter Tage sind ein wichtiger Bestandteil des Spieles. Auch wenn man eigentlich komplett ohne auskommen kann, so haben sie doch den besonderen Nervenkitzel. Überall können Feinde und Gefahren lauern und nicht zuletzt finden sich hier die Rohstoffe, die man braucht, um fortgeschrittene Gegenstände zu craften, oder in den Nether bzw. das Ende zu reisen.
Will man sich in diese Richtung entwickeln bzw. kommt man also gar nicht darum herum sich in die dunklen Minenschächte zu wagen und nach den verborgenen Vorkommen von Schätzen zu suchen. Dabei stellen sich einem allerlei Gegner in den Weg, die einen auch gerne mal von hinten überraschen können. Hier heißt es paranoid sein und auf jedes Geräusch achten.
Bedenkt man, dass die Grafik von Minecraft nicht wirklich lebensnah ist (wozu auch wir spielen ja Lego advanced), so wird man sich kaum vorstellen das hier echte Spannung und Herzinfarktmomente aufkommen können. Dies ist aber so und jeder der schon mal einem wütenden Enderman in einer dunklen Höhle gegenüber gestanden hat, der weiß wovon ich spreche.

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Für alle, die jetzt neugierig geworden sind, sich aber scheuen die 20€ blind in die Hand zu nehmen, sollten einen Blick auf diese Demoversion werfen. Sie ist zwar ein wenig älter (1.5.0 … die aktuelle Version ist 1.7.4), aber gibt einem 90 Minuten freien Zugang um eine Idee zu bekommen, was man so machen kann.
Und wenn ich euch jetzt angesteckt habe …. hey ihr musstet das ja nicht lesen ;D

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Dez 18

Meine Transformation zum Wutbürger …. ein bißchen zumindest

Der Wutbürger ist ja eine Erscheinung der modernen Zeit, die mit dem zunehmenden Unwillen von Anwohnern und der zunehmenden Quote von vermurksten Großprojekten des Staates einhergehen.
Kürzlich offerierte sich auch mir die Chance ein echter Wutbürger zu werden. Ich meine die Aussichten waren doch super, Sitzblockaden, Strassenschlachten mit der Ordnungsmacht bis der Wasserwerfer kommt, Polizisten mit Kastanien bewerfen und dafür gepfeffersprayt werden und mit Lokalpolitikern in Totalverweigerungshaltung zu diskutieren und doch nur die Maximalforderung im Kopf zu haben …. das klang nach Randale, das klang nach Spaß, aber ich habe diese Chance nicht ergriffen …. aber von Anfang an.

Wie einige wissen wohne ich im Hegholtquartier in Hamburg. Es handelt sich dabei um eine Wohnsiedlung aus den frühen 60ern, die sehr großzügig angelegt ist und viel grünen Raum bietet. Dies kollidiert nun aber mit den Bebauungsplänen des Hamburger Senats, welche eine Studie in Auftrag gegeben hat, die potentielle Nachverdichtungen sichten soll und somit den Hamburger Wohnungsbaupakt (6000 neue Wohnungen in 2014) unterstützen soll. Wandsbek muß davon 1000 schultern und so wie es aussieht, war im ersten Schritt angedacht im Hegholtquartier 500 Stück davon zu realisieren.
Davon sind mittlerweile “nur” noch 300 übrig geblieben, aber die Aussicht ein 4-5 stöckiges Gebäude vor die Nase zu bekommen und obendrein den gut besuchten Spielplatz für den Kleinen ersatzlos zu verlieren waren nicht unbedingt Aussichten, die mir gefallen haben. Die zusätzlich zu erwartende Verschlimmerung der Verkehrssituation trifft mich ja nur am Rande, da ich selbst kein Auto habe, die passive Belastung durch die ohnehin schon überlastete Haldesdorfer Strasse tun das ihrige.

Nach einem ersten Artikel in unserem lokalen Käseblatt formierte sich dann auch Recht schnell eine Bürgerinitiative, die zu einer Infoveranstaltung lud, an der ich dann auch teilnahm. Ein wenig verwundert war ich ja schon, dass am Eingang keine Mistgabeln und Fackeln ausgeteilt wurden, denn die hätten sicher gut zum Ambiente des Abends gepasst.
Ich will das Ganze nicht minutiös ausbreiten, das würde den Rahmen sprengen, aber am Ende des Abends machte sich bei mir doch eine ziemliche Ernüchterung breit. Wäre die vor Ort befindliche Klientel im nahen Osten zusammen gekommen, wäre der arabische Frühling ganz schnell in sich zusammengebrochen.
Es wurde viel in den Raum gestellt, viel rumgenöhlt und gemeckert und irgendwie hielten einige Leute es für nötig im Verlauf der Sitzung die gleichen Themen 4 mal auf den Tisch zu bringen und dabei zu meinen, das konstante Wiederholung des gleichen Sachverhalts die Situation lösen würde. Fakt ist aber, dass es anscheinend keine wirklichen Fakten gibt, denn neben den Repräsentanten der Bürgerinitiative waren noch 3 Lokalpolitiker vor Ort, sowie eine ominöse Bestandsgarantie aus der letzten Verdichtung und am Ende des Abends hatten wir eigentlich 4 Versionen der Story auf dem Tisch und niemand wusste was stimmt.
Dennoch fand man Zeit darüber sich über die Parkplatzgebühren von 13€ im Monat zu beschweren (die bei der Verdichtung eh wegfallen würden, denn da soll ein Wohnblock hin), oder aber die Nutzung elektronischer Medien nur unter großer Ablehnung in Betracht zu ziehen (man könnte ja eine größere Reichweite haben).

Irgendwie kam ich mir sehr fehl am Platze vor, denn die Totalverweigerung der anwesenden Leute ging mir doch sehr gegen den Strich. Diese Totalverweigerung hat auch schon bei Stuttgart21 und anderen in Sackgassen führte, aus denen man nicht mehr raus kam, aber jedem muß es auch klar sein, dass diese Wohnungen gebraucht werden, wenn man etwas gegen die Mietpreisexplosionen der letzten Zeit unternehmen will.
Ich würde ja erstmal auf einen Dialog setzen und dann wenn alles scheitert andere Maßnahmen einleiten. Vor allem würde ich erstmal eine klare belastbare Faktenlage schaffen, bevor ich wild pöbelnd zu den Bauausschußsitzungen renne und mich durch meine Unwissenheit vollends blamiere und nicht ernst genommen werde. Außerdem ist ein kontinuierlicher Fluß von Informationen (der nach dieser Sitzung vollkommen versiegt ist) notwendig, denn hier gilt einmal mehr … Wissen ist Macht.

Tja um Wutbürger zu sein braucht es anscheinend doch ein bißchen mehr … und ich habe es anscheinend nicht.

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Nov 19

Der Fuchs für die Jackentasche

firefoxos

Wie wir ja wissen, ist das Internet für unsere Kanzlerin Neuland. Ähnlich wie ihr geht es mir ja beim Thema Smartphone. Ich habe schon so manches in der Hand gehabt, mir die verschiedenen Geschmacksrichtungen angeschaut, aber der Funke wollte nie so wirklich überspringen.
Die Preise für die Nutzung waren mir zu hoch, die Anschaffung der Hardware auch und die weitreichende Transparenz gegenüber Google und Apple gefiel mir ebenso wenig. Außerdem habe ich mich jedes mal gefragt wozu ich so eine Büchse überhaupt brauche. Wenn ich unterwegs bin, dann lese ich in erster Linie und hänge nicht über einem Taschencomputer mit Telefonapp.

Eigentlich wollte ich das auch weiterhin so halten, habe in den letzten Wochen aber immer wieder festgestellt, dass es durchaus immer mal wieder Situationen gab, wo ich dann doch gern ein Smartphone gehabt hätte.
Allerdings kollidierte diese Idee dann doch wieder mit meinem Unwillen zu viel Geld in die Sache zu versenken.
Seit Oktober konnte ich dann nun aber doch über meinen Schatten springen und mich in die Riege der Smartphonebenutzer einreihen.
Wie es bei mir dann aber wohl auch nicht anders zu erwarten war, ist es dann ein Firefox OS Phone geworden, welchessich eben nicht dem Diktat von IOS und Android beugen muß.

Das Gerät — Alcatel One Touch Fire
Congstar hat mit dem Alcatel das erste in Deutschland verfügbare FFFOS Phone auf den Markt gebracht. Die Hardware ist mit 90€ sehr günstig und wurde mit der aktuellen Version des OS ausgeliefert.
Der Versuch das Gerät mit mit einem iPhone oder einem S4 zu vergleichen (oder anderen Flaggschiffen der jeweiligen Hersteller) muß zwangsläufig scheitern, denn ein Gerät für diesen Preis muß zwangsläufig irgendwo Abstriche machen. Die CPU ist mit 1Ghz durchaus gut unterwegs und bisher komme ich sogar mit den (für Smartphoneverhältnisse) recht knapp bemessenen 512MB gut zurecht. Das Betriebssystem belegt davon 256MB und von den 256MB Appspeicher sind noch 129MB verfügbar. Nach einer kleinen Aufräumaktion waren es dann immerhin noch 149MB.
Das Display kann sich sehen lassen und ist mit 3,5″ sehr kompakt. Mit meinen Wurstfingern ist der Volltreffer nicht immer ganz einfach, aber im Großen und Ganzen ist die Bedienung eigentlich problemlos. Im Lieferumfang war eine 2GB Speicherkarte dabei, die ich dann noch mal durch ein 8GB Modell ersetzt habe.
Das Smartphone arbeitet ganz ordentlich und ich habe bisher nicht von den vermeindlichen Wacklern und Rucklern gespürt.
Das Gehäuse ist ganz Plastik, aber auf eine angenehm stabile Art und Weise. Man hat nicht das Gefühl ein Billiggerät in den Händen zu halten und der knallige orangene Farbton mit dem Firefox OS Schriftzug ist schon nett gemacht.
Von der Laufzeit bewegt sich das Gerät durchaus im üblichen Rahmen. Wer viel damit herumspielt und permanent auf UMTS/WLAN Netzsuche ist daddelt das Gerät an einem Tag leer. Bei regelmässigem Abschalten von Display/WLAN/UMTS bei Nichtnutzung kann man da schon mal mehrere Tage mit einer Ladung hinkommen.
Geschwindigkeit ist nicht so das Thema, denn das Gerät kommt mit einem handelsüblichen HSDPA Modem daher und bringt damit seine 7MBit auf die Schiene unter idealen Bedingungen.
Wo das Gerät keinen Blumentopf gewinnt ist bei der Kamera. Anwender, die nach einem Telefon mit guter Kamera suchen, sollten um das Alcatel auf jeden Fall einen Bogen machen.

Der Marketplace – A la Carte, aber ausbaufähig
Das KO Kriterium für den Erfolg eines Smartphonebetriebssystems ist sicherlich die Verfügbarkeit von Apps. Hier merkt man, dass Firefox OS noch sehr am Anfang steht. Die drei dominierenden Sprachen des Marketplace sind Englisch, Spanisch und Polnisch. Die Apps auf Deutsch kann man an einer Hand abzählen und große Namen fehlen hier bisher fast komplett. Für Appstore oder Googleplay verwöhnte Menschen wird das sicher erstmal ein Kulturschock. Wie in jedem Shop gibt es auch hier jede Menge Schrott, aber auch die eine oder andere Perle. die sich echt lohnt.
Momentan hält sich hartnäckig die Behauptung, dass WhatsApp noch diesen Monat für FFOS herauskommen wird (die offizielle Seite hüllt sich da in Schweigen), was sich als guter Katalysator erweisen könnte. Ansonsten kann man sich hier auch mit anderen Produkten behelfen.

Ab ins Internet – vom konstanten vor die Wand springen
Ja mit dem Internet ist das so eine Sache. Da ich mir keinen sonderlich teuren Vertrag anlachen wollte, bin ich bei N-TV Go gelandet. Ich telefoniere echt wenig und da lohnt sich so ein Prepaidtarif durchaus, und auch 7,99€ um herauszufinden ob ich zum Smartphonemenschen tauge, tun mir auch nicht übermässig weh.
Schlimmer war da schon das Telefon erstmal überhaupt dazu zu überreden eine Verbindung mit dem Internet aufzubauen.
Wie viele andere, so ist auch der Go Tarif ein E-Plus Reseller. Problematisch ist hier allerdings, dass die leistungserbringende GTCom Simkarten ausliefert, welche die falschen Zugangsdaten hinterlegt haben. Die Karte versucht sich permanent bei E-Plus direkt zu connecten was aber nicht klappt. Eine entsprechende Info über die Zugangsdaten ist dann auch nur durch wildes Suchen zu finden … das geht besser.

Hat man diese Hürde erstmal genommen, so verhält sich das Gerät im Netz durchaus solide. Die Geschwindigkeiten hauen einen nicht vom Hocker, aber ich erwarte das von einem Smartphone eigentlich auch nicht. Von daher bin ich da durchaus zufrieden.

Und hats sich gelohnt?
Ja irgendwie schon würde ich sagen. Das Gerät erfüllt meine Erwartungen und gibt mir eine Infomöglichkeit wenn ich unterwegs bin. Das WOW Erlebnis hat sich bisher aber noch nicht eingestellt und es ist mir nach wie vor ein Rätsel, warum einige Leute wie bekloppt an der Kiste hängen. In erster Linie mag das daran liegen, das meine Social Network Aktivitäten nicht so exzessiv sind, dass ich den halben Tag dafür brauchte und das was ich mache in der Regel einmal morgens und einmal abends am Festplatz erledigt wird.
Vielleicht bin ich da einfach nicht die richtige Zielgruppe, aber wir werden sehen.

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Aug 31

Wählen ohne Wahl

Tja es ist nicht mal mehr einen Monat hin, und man braucht sicher keinen Uni Abschluss zu haben, um zu verstehen, dass in diesem Land einiges schief hängt. Die übliche Befragung des Wahl O Maten (ein Spaß den ich mir zu jeder Wahl gönne) offenbarte dann das ganze Ausmaß der Misere, man wählt ohne eine Wahl zu haben.
Laut dem Wahl O Mat habe ich die größte Schnittmenge mit der Linken (76%), allerdings sind die folgenden 6 Parteien von der Schnittmenge mit 72%-60% auch nicht so weit auseinander. Bedenklich ist die Tatsache, dass die NPD hier schon an Platz drei meiner Liste rangierte. Die großen Volksparteien rangierten im Voting dann auf den hinteren Plätzen und die rote Laterne ging an die FDP (naja immerhin einen Treffer).
Gut solche Tools sind sicher nicht unbedingt dafür geeignet eine echte Wahlentscheidung zu treffen, aber wenigstens sammelt die Zentrale für politische Bildung (kennt ihr noch diese schwarzen Heftchen?) die einzelnen Begründungen der Parteien für die jeweiligen Punkte, was immerhin zu einem hochverdichteten Infofluß taugt.
Aber auch ohne Tools zeigt sich eigentlich, dass die Wahl 2013 eine ziemlich traurige Veranstaltung wird. Die Parteien dreschen ihre üblichen Phrasen (oder im Falle der CDU gar keine, weil man nur Gesichter zeigt), und von keiner sind echte Bekenntnisse und Innovationen zu erwarten. Die Machtmanager schicken sich an ihre Pfründe zu verteidigen oder zurück zu erobern, aber wenn sie wieder in ihre Büros eingezogen sind, wird man sie für die kommenden 4 Jahre nicht wieder in der Öffentlichkeit sehen.
Ich gehe auch davon aus, dass die Nichtwählerschaft auch diesmal wieder größer werden wird, und darüber muss man sich eigentlich nicht wundern. Salbungsvoll spricht der Verteidigungsminister im Fernsehen hier von Bürgerpflichten, aber was ist im Umkehrschluss denn daraus geworden? Wo ist euer Gewissen, dem ihr gegenüber verpflichtet seid? Wo ist euer Wille etwas für die Bevölkerung zu tun? Wann ist in der letzten Zeit ein Politiker mit einer echten guten Tat auffällig geworden?
Was soll ich sagen? Die Opposition ist allerdings auch nicht besser, denn entweder hat sie im Topf der Deutschlandmisere auch kräftig mit herumgerührt, oder verstrickt sich in utopischen Programmen die schon Sci-Fi Charakter haben. Gleichzeitig machen sich die ersten echten populistischen Parteien bereit den Bundestag zu erobern, und das ist für mich das eigentliche Problem, denn wenn Populismus erst einmal hoffähig ist, wird diesem der Radikalismus auf den Fersen folgen. In Österreich hat man ja mittlerweile auch zwei Kärnter Altlasten im Parlament sitzen und einfacher (bzw. sinnhafter) ist es da auch nicht geworden. Meine Befürchtung ist, dass die AFD dafür sorgen wird, dass auch hier die Dämme brechen und damit das tägliche Leben bestimmen werden. Eine Weimarer Situation? Es bleibt zu hoffen das nicht.

Aber gibt es Alternativen? Wie Churchill schon sehr richtig sagte, ist die Demokratie nicht unbedingt die beste Staatsform, die man sich wünschen kann, aber alle anderen Versuche in andere Richtung waren ja nun auch nicht unbedingt von Erfolg gekrönt.
Bei einem Blick in das soziale Netz meiner Wahl, sehe ich hier in erster Linie linke bis anarchistische Entwürfe, diese erscheinen mir aber einfach viel zu utopisch, um sie beim Kontakt mit der Realität Bestand haben zu lassen. Solche Gedankenkonstrukte sind ja ganz nett, aber in der Regel überleben sie das Biotop Mensch nicht.

Was aber bleibt? Realistisch gesehen stehen wir vor Wahlen ohne eine Wahl. Allerdings sich jetzt dem Heer der Nichtwähler anzuschließen erscheint mir feige und ein radikaler Protest die falsche Richtung. Nein ich werde wählen gehen und mir diejenigen suchen, die in der Lage sind dem Themenkanon der Politik eine weitere Facette hinzuzufügen, die mir wichtig ist, aber bisher nicht genug Beachtung findet. Auch das ist im Grunde nur ein Stück Utopie, aber vielleicht eines das funktionieren kann. Aber egal wie man es dreht und wendet, einen Wandel, so wie er immer gerne propagiert wird, werden wir sicher nicht zu sehen bekommen. Vielleicht hat mein Kleiner ja wieder eine Wahl, wenn er in der Lage ist an solchen Entscheidungen mitzuwirken, aber auch das ist eher unwahrscheinlich.

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Aug 14

Spielen ohne Bits und Bytes

Bild von Wizards.com

Bild von Wizards.com

Ja es gibt sie noch … Brettspiele von hoher Komplexität, die eine Gruppe Spieler für lange Zeit an den Tisch fesseln.
Bereits als kleiner Steppke wurde ich von meinem Vater in die Welt der komplexen Brettspiele eingeführt.
Der Faible für Strategie und Taktik, den wir beide teilten hat zu einer recht ansehnlichen Sammlung von CoSims, Tabletops usw. über die Jahre hinweg geführt.
Worüber ich mich immer geärgert habe ist, dass ich es nie geschafft habe ihm sein Shogun Spiel abzuschwatzen.

Shogun kam in den späten 80ern im Rahmen der MB Gamemaster Serie heraus. Die Gamemaster Serie bestand aus mehreren Spielen mit strategischer Ausrichtung basierend auf historischen und fiktiven Szenarien von der Antike bis in das moderne Amerika. Der Preis dieser Spiele war mit 125DM für damalige Verhältnisse recht üppig, aber die Ausstattung war das ebenfalls. Die Teile der Spiele waren immer sehr hochwertig und reichhaltig. So enthielt allein Shogun knapp 500 Ashigaru, Samurai, Ronin Ninja usw..
Leider verschwand die Gamemaster Serie, da sie anscheinend einem zu speziellen Klientel gewidmet war, dass nicht so recht zu MBs Ausrichtung gepasst hat.
Das ist eigentlich schade, denn ein gemütlicher Nachmittag mit Freunden, der dann in einen Abend und ggf. noch eine Nacht übergeht bei einem guten Spiel ist für mich immer noch die interessanteste Gestaltungsmöglichkeit von Freizeit.
Leider war MB auch nicht die einzige Firma, welche ihre komplexen Spiele einstellte und dem Aufstieg der Computerspiele damit Respekt zollte, sondern auch Größen wie TSR und Avalon Hill konnten sich nicht mehr am Markt halten. Gerade in den frühen Jahren der des PC Gamings war dies auch nachvollziehbar. So gab es Computeradaptionen von Spielen (oder Eigenentwicklungen), welches das Feeling des Brettspiels gut wiedergaben, aber ohne die Aufbauarbeiten, Regeldiskussionen und ähnliches.
Schade ist nur, dass auch hier das Business sich in eine Richtung entwickelt hat, bei dem CoSim Gamer zunehmend ins Hintertreffen geraten.

So wie es aber scheint bemühen sich einige Firmen wieder vermehrt um Spieler wie mich und das ließ bei einem Stöberbesuch bei Amazon mein Herz höher schlagen. Das Original MB Shogun ist mittlerweile nur noch für mehrere hundert Euro zu haben und auf Dauer ist die (zugegebenermaßen exzellente) Computeradaption auch nicht so erfüllend wie eine gute Runde des Originals.
Deswegen ist in mir auch nie der Wunsch gestorben eines Tages noch ein Shogun zu schießen … aber das muß jetzt nicht mehr sein. Wizards of the Coast hat das Spiel unter dem Namen Ikusa wieder neu aufgelegt. Dabei wurde mit sehr viel Liebe zum Detail vorgegangen. Die Regeln blieben unverändert und die Aufmachung wurde mehr dem Thema (mittelalterliches Japan) angepasst. Mit einem Preis von rund 60€ ist das Spiel sicher kein Schnäppchen, aber anders als 300€ für das Original (gebraucht) klingt es alle mal.

Was ist Ikusa (Shogun) nun für ein Spiel. Stark vereinfacht kann man die Spiele der Gamemaster Serie als “Super Risiko” beschreiben. Es gibt eine Karte, welche in verschiedene Regionen aufgeteilt ist, auf denen man seine Einheiten bewegt und versucht seine Gegner zu besiegen. Bei der Gamemaster Serie kommen darüber hinaus bessere Gefechtsmechaniken zum tragen (im Gegensatz zu den Risikoüblichen 3 Würfel 2 Würfel Schlachten), plus ein ziemlich schicker wirtschaftlicher Part, garniert mit ein wenig Spionage und Meuchelmord.
Die Komplexität liegt in einem Bereich, die für einen unerfahrenen Spieler eine echte Herausforderung bietet, dem erfahrenen Spieler aber immer noch genug Raum lässt ohne dabei langweilig zu sein.
Ziel des Spieles ist es, die Vorherrschaft über Japan zu erringen und damit das Shogunat an sich zu reissen. Je nach Erfahrungsgrad der Spieler kann eine Partie zwischen 2 und 6 Stunden dauern, man braucht also Zeit. Je nach Art der Gruppe lassen sich auch noch Nebenaktivitäten wie Politik und Intrigen einflechten, was dem Spiel zusätzliche Würze und unter Umständen Handgreiflichkeiten einbringt ;)
Fakt ist, dass ich demnächst einmal damit beginnen werde meine Spielesammlung um die Titel der alten Gamemaster Serie zu vervollständigen. In einer zunehmend digitalen Welt finde ich es sehr mutig und unterstützenswert wieder ein so schönes analoges Produkt auf den Markt zu bringen … eine solche Entscheidung muß unterstützt werden.
Ich hoffe das noch andere Produkte aus dieser Zeit wieder auf den Markt kommen. Einfallen würden mir da so einige ;)

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Aug 09

Eigentlich … aber ja … eh nein … doch lieber nicht.

Jeder der mich kennt, weiß, dass ich gerne mit anderen über Dinge spreche, diskutieren und Ideen im Kopf bewege, um sie in einer lockeren Runde weiter zu entwickeln.
So war es auch kein Wunder, dass eines der ersten Dinge, welche ich im Anfang meiner Internetnutzerschaft exzessiv erforscht habe, die Möglichkeit zur Kommunikation mit anderen war. Hierbei habe ich (glaube ich zumindest) so ziemlich alles mitgemacht was möglich ist.
Gerade Foren haben sich dabei immer als tolle Platformen für den Ideenaustausch erwiesen und ich habe dabei so einige Leute kennengelernt, zu denen ich nach wie vor einen regen Austausch unterhalte.

Wenn ich im Internet mit anderen eine Diskussion beginne, gelten für mich eigentlich die gleichen Regeln wie im realen Raum. Ich versuche nach Möglichkeit höflich zu sein, lasse meinen Gegenüber ausreden und stelle nicht einfach Behauptungen in den Raum, sondern beweise entweder meine Annahmen, oder mache das Ganze als unbewiesen deutlich.
Mit dem Web2.0 hat sich diese klassische Diskussionkultur nun hin zu einer Sender Empfänger Kultur gewandelt, aber die alten Wege sind ja nach wie vor vorhanden.
Seltsamerweise scheue ich mich zunehmend davor sie in Anspruch zu nehmen. So manches mal lese ich in diversen Foren Posts zu denen es mich juckt eine Antwort zu schreiben. Nicht selten passiert es dann, dass ich mitten im Schreiben eine Eingebung habe und den Post dann einfach lösche. Ich schlage mich dann mit Gedanken herum, dass ich zwar eigentlich gern etwas sagen würde, mich aber nicht mit der Horde Verrückter herumschlagen will, die dann zweifelsohne antworten werden. Auch habe ich keinen Bedarf daran mich Pöbeleien oder ähnlichen auszusetzen. Die Diskussionskultur im allgemeinen hat hier anscheinend gelitten.
Gleichzeitig frage ich mich oft welche Relevanz dieses Posting dann haben soll und in wie fern es beitragen kann Situationen zu verbessern. Nach einigem Nachdenken kommt es dann zur selben Handlung wie oben beschrieben, der Post wird gelöscht.

Was ist aus der unbeschwerten Diskussionkultur der frühen Internetjahre geworden? Irgendwo fiel sie anscheinend vom Laster. Ich habe heute dieses Gefühl eigentlich nur noch bei ein paar kleineren Foren mit geschlossenen Benutzergruppen, aber das ist eigentlich auch nicht mein Anspruch gewesen, denn ich wollte mitreden und dadurch Kontakte knüpfen, aber irgendwie will das kaum noch gelingen.

Ich frage mich ehrlich, wie diese Wende zustande gekommen ist und wie ich dagegen wirken kann.
Seltsamerweise hat auch dieses Post hier beinahe nicht den Tag gesehen und war schon 2 mal im Papierkorb gelandet.

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Jul 03

Ein Teil meines Lebens hört auf zu existieren

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Tja so kommt es mitunter. Man ist krank geschrieben und sitzt untätig zu Hause und bringt die Zeit mit einigen Spielereien an einem Conky Script herum und erfährt dann aus dem RSS Feed, dass ein echtes Internet Urgestein am 08.07.2013 aufhören wird zu existieren. Yahoo hat sich nun endgültig entschlossen Altavista zu schließen.In den Anfangszeiten war Altavista das Schwergewicht, das Google heute darstellt. Sie hielten Yahoo in Schach und die anderen Suchmaschinen ihrer Zeit kennt man heute gar nicht mehr. Anfang des Jahrtausends stieß ich dann als studentischer Mitarbeiter zur deutschen Truppe. Google war damals schon der Hauptkonkurrent und planierte alles was ihnen in die Quere kam. Man hatte viel Mühe und Energie in ein Redesign des Portals und der Suchalgorythmen gesteckt, so dass man eigentlich konkurrenzfähig war, leider kam dies viel zu spät und Altavista wurde von Overture gekauft. Das war schon ein Novum, denn ausserhalb der Internetwerbebranche war diese Firma eigentlich kaum bekannt. Zwei Jahre später ging Overture dann an Yahoo und die Suche starb eigentlich schon während dieser Zeit, weil die Ergebnisse nicht mehr vom eigenen Index stammten, sondern von Bing geliefert wurden.
Die Stimmung im Team war trotz der schweren Situation immer gut. Wir waren ein kleiner verschworener Haufen, der in einem schwierigen Terrain versuchte einen Platz im deutschen Suchmaschinenmarkt zu finden. Eigentlich gelang uns das sehr gut, denn wir versuchten gar nicht erst als Marktführer aufzutreten, das wäre schließlich lächerlich gewesen, aber wir konnten uns auf eine gute Alternative stützen und diese auch so verkaufen.
Als IT Mädchen für alles habe ich mich nicht nur um die Hard- und Software, sondern war in vielen Vertriebsrandbereichen mit engagiert, was mir sehr viel Spaß gemacht hat.
Eigentlich fühlten wir uns auf einem ganz anständigen Weg, aber die Realität holte uns dann leider ein und belehrte uns eines besseren.
Heute beherrscht Google den Suchmaschinen Markt mit einer weit jenseits der 90% Abdeckung und nennenswerte Konkurrenz gibt es nicht mehr. Dies hat nicht zuletzt dazu geführt, dass eines der Kernmerkmale von Google, nämlich seine qualitativ hochwertigen Ergebnisse, großenteils nur noch ein Schatten ihrer selbst sind. Jede Menge offizieller Werbung, sowie tonnenweise Spam drücken die Qualität des ehemaligen Undergroundstars massiv. Auch scheint sich Google nicht mehr wirklich um seinen alten Kernbereich zu kümmern und ufert stattdessen in immer neue Felder aus.
Es stellt sich natürlich auch die Frage, ob es in der heutigen Welt noch eine Suchmaschine braucht. Ein Arbeitskollege meinte neulich:”Ich besuche meine 7 Seiten und das ist es dann auch.”
Ist das aber repräsentativ? Ich fürchte schon, dennoch kann das nicht der Weisheit letzter Schluß sein. Das Web ist nach wie vor ein nahezu unüberschaubarer Haufen Kram, der von Minute zu Minute immer größer wird. Hier die Übersicht zu behalten und Dinge zu finden, die man benötigt ist nicht einfach, besonders dann nicht, wenn es in dem Bereich nicht unbedingt den kommerziellen Überflieger gibt.
Wie soll man dann aber mit einem veralteten und ausgetricksten Suchmodus noch zum Ziel kommen?
Ich denke es braucht auch weiterhin Suchmaschinen und es braucht auch weiterhin Alternativen. Ich will nicht sagen, dass es ein neues Google braucht, denn wohin das letzten Endes geführt hat, sehen wir. Nein es braucht eine solide Alternative. In der letzten Zeit habe ich hierfür in der Regel DuckDuckGo verwendet. Die guten Ergebnisse und nicht zuletzt die fehlende Datensammelwut haben hier für mich den Ausschlag gegeben.

Dennoch ist es schade, ein großes Projekt, dem man in seinem Leben viel Zeit gewidmet hat, einfach so verschwinden zu sehen. Ich würde mir wünschen, dass die Technik des Originalcrawlers unter der GPL veröffentlicht wird, damit sich die viele Arbeit, die von etlichen Menschen weltweit da rein gesteckt wurde, nicht einfach in irgendeiner Schublade verstaubt. Altavista ist ein großer Name des Internet und ein Name mit Geschichte. Ich würde mir wünschen, wenn dies sich in Form einer Stiftung niederschlagen könnte (ähnlich der Mozilla Foundation) um dieses Projekt in öffentliche Hände zu geben, aber das ist warscheinlich eher nur ein Wunschdenken.

Vielleicht ist es mal an der Zeit bis zum 08.07. noch mal ein paar Suchanfragen über Altavista abzusetzen, um den Verantwortlichen zu zeigen, dass sich hier noch etwas tut.

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Jun 19

Von Spionage und plappernden Nerds

Ein beherrschendes Thema der letzten Tage war auf jeden Fall die Aufdeckung des PRISM Programms durch Edward Snowden. Ich muß ihm zugestehen, dass der Mann hier echt Eier bewiesen hat, denn einer Sache kann er sich sicher sein … er steht auf der Abschußliste. Die Ausmaße von PRISM und den eventuell noch nachgelagerten Prozessen, die derzeit niemand erfassen kann, ist gigantisch, wobei Snowden hier bestenfalls die Spitze des Eisberges aufgezeigt haben dürfte.
Ich werde jetzt hier nicht in die Einzelheiten gehen, denn ich denke jeder ist in der Lage die Suchmaschine seines Vertrauens mit den entsprechenden Suchbegriffen zu befeuern und dann ein wenig zu lesen. Ansonsten empfehle
Auch soll dieser Post weniger PRISM zum Thema haben, als den Umgang damit.

Ich war ehrlich gesagt nicht wirklich überrascht, dass etwas wie PRISM existiert. Bereits vor mehr als 10 Jahren geisterten staatliche Spionageprogramme durch die Medien. Hier sind vor allem die Namen Carnivore und Magic Lantern Begriffe, die dem interessierten Menschen dort unter Umständen ein Begriff sind. Diese Programme wurden bereits um die Jahrtausendwende eingesetzt. Denkt man sich diese Programme nun einmal in unsere Gegenwart, packt den Fortschritt in der Anwendungsentwicklung dazu und addiert die übliche amerikanische Paranoidität und Angst vor weiteren Terrorangriffen und rührt das ganze einmal gut um, so kommt dabei als logische Konsequenz das PRISM Programm heraus. Selbst ohne die notwendigen Hintergrundinformationen, bedarf es keines Doktorgrades um 1und1 zusammen zu zählen, um zu dem Schluß zu kommen, dass die US Regierungsbehörden alles daran setzen würden den Internetverkehr zu umfassend wie nur irgend möglich in ihre Finger zu bekommen. Gleichzeitig baut die NSA ein neues Rechenzentrum in der Wüste von Utah, dessen Dimensionen alles bisher da gewesene sprengen. Damit sollte wohl klar sein, dass auch PRISM nicht das Ende der Fahnenstange sein dürfte.

Gleichzeitig gibt es einen entsprechenden Aufschrei in der Bevölkerung. Witzigerweise allerdings (so live erlebt) scheinen sich die Leute zwar über PRISM und ähnlich Aktivitäten aufzuregen, etwas dagegen unternehmen … Fehlanzeige. Anscheinend ist der mittägliche Post über die Essgewohnheiten gegenüber einer möglichst breiten Öffentlichkeit wichtiger, als die Absicherung der Informationen, welche man über sich Preis gibt. Diese doch sehr bizarre Konstellation wäre eigentlich zum Schmunzeln, wenn sie nicht so traurig wäre.
Die Post Privacy Bewegung zeigt hier wie ich finde ihr doch eher hässliches Gesicht, denn im Gegensatz zum Ursprungsgedanken, nämlich dem verantwortlichen öffentlichen Umgehen mit privaten Daten scheint hier die komplette Egalität einzusetzen.
Als Stilblüte sei hier die Episode erwähnt, die mir gestern im Bus unter gekommen ist. Zwei Mädel in den frühen Zwanzigern sitzen, wie für ihr Alter üblich, über ihre Smartphones gebeugt und unterhalten sich über alles mögliche. Als auf einmal eine von den beiden “das Spionageprogramm von den Scheiß Amerikanern”  (O-Ton) erwähnt. Die Zweite meinte, sie müsse da gleich mal ihre Freunde informieren. Da ich gerade den Bus verließ, riskierte ich einen Blick (Spionieren geht halt auch offline) und sah die offene Facebook App. Tja was soll ich sagen … am Besten gar nichts.

Gerne wird das Argument ins Feld geführt, dass man ja nichts fürchten brauche, wenn man nichts zu verbergen habe. Dies gilt meiner Meinung nach aber auch umgekehrt, denn wenn ich nichts verbrochen habe brauche ich auch nicht überwacht zu werden. Die Privatsphäre ist ein verbrieftes Recht, dass ich auch durchaus einzufordern bereit bin. Ich bin der Meinung das Privatsphäre auch weiterhin ihre Berechtigung hat, denn wenn entsprechende Strukturen erstmal etabliert sind, wer kann dann noch sicherstellen, dass auch wirklich nur Daten erhoben und benutzt werden, die zielgerichtet sind? Wer kann mir garantieren, dass meine so erhobenen Daten nicht abgeschöpft werden und von einem frustrierten Mitarbeiter weiterverkauft werden, damit er sich ein paar Mark dazu verdienen kann? Kurz … wer überwacht die Überwacher?
Hierzu bedarf es einer wachen und interessierten Öffentlichkeit und einer unabhängigen Kontrolle. Dies ist leider Wunschdenken und damit darf es nicht zu solchen Entwicklungen kommen, bzw. müssen aktuelle Entwicklungen gestoppt werden. Da allerdings entsprechende Stellen im Modus der Gewohnheitsradikalität operieren (danke für diesen Begriff Sascha Lobo) und die Regierung hier nichts unternehmen wird, da sie ja ihre ganz eigenen Interessen hier verfolgt (auch das hat Herr Lobo schön in dem verlinkten Artikel aufgearbeitet), brauchen wir hier auch nicht auf ein Wunder zu warten … weder jetzt noch nach der Bundestagswahl.

Wenn es euch also wirklich stinkt was hier passiert ist, und ihr wirklich etwas ändern wollt, dann müsst ihr wohl oder übel einmal den Arsch erheben und aus der Komfortzone heraus kommen. Am ehesten könnt ihr selbst noch etwas erreichen und euren persönlichen Bereich abstecken. Vielleicht fangt ihr einfach mal mit einem PRISM BREAK an.

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Jun 11

Zeit erwachsen zu werden?

Diese Seite hat schon etliche Inkarnationen erlebt, von denen ich auf so manche nicht unbedingt stolz bin. Dennoch war BrowserXL immer mein Pseudonym und diese Seite damit immer verbunden.
Entstanden ist dieser Name irgendwann in der düsteren Vorzeit des halbwegs professionalisierten Internets, als wir uns noch in AOL Chaträumen herumgetrieben haben. Der Name ist aus irgendeiner schrägen Laune heraus entstanden und die Legende seiner Entstehung müsste ich mir jetzt zusammen fabulieren, und das würde nicht sonderlich glaubwürdig klingen.
Die Verbindung dieses Namens und dieser mit mir hatte ich bisher nicht so wirklich in Frage gestellt, wozu auch? Neulich habe ich die Website eines Bekannten besucht, der sich selbst vor die gleiche Frage stellte und entschied, dass es Zeit sei Schluß zu machen und die Seite unter dem Klarnamen weiter zu betreiben.
Die Begründung ging in erster Linie dahin, dass er sich mit seinem alten Pseudonym nicht mehr verbunden fühle und es Zeit sei anders weiter zu machen. Dies hat auch bei mir den Denkprozess rund um diese Seite angestoßen.
Mal abgesehen davon, dass Pseudonyme im deutschen Internet gelinde gesagt eh für die Füße sind (dafür sorgen schon die Störerhaftung, sowie Impressumspflichten), gibt es eigentlich auch keinen wirklichen Grund (zumindest noch nicht) seine wahre Identität zu schützen. Dennoch hat sich das Gesicht von BrowserXL über die Jahre natürlich geändert (zum positiven wie ich hoffe) und von der originalen Substanz ist nicht mehr viel übrig.  Gerade die letzten Monate hat BrowserXL mit der doch intensiveren Beschäftigung mit dem Thema Linux eine neue Facette bekommen, die anscheinend so prominent ist, dass sich Stammleser fragten, ob ich nun künftig nur noch über dieses Thema schreiben würde.
Ich glaube aber auch genau hier liegt der Hund begraben. BrowserXL ist nicht nur einfach eine Website und ich agiere unter diesem Pseudonym, sondern BrowserXL ist ein Teil meiner Identität. Das Pseudonym ist also nur eine Verlängerung meines Meatspace Selbst und umgekehrt. Ich denke das ist aus der Anlage des Blog auch ersichtlich.
Ich denke Identität, so wie sie in diesem Fall daherkommt ist mehr als eine einfache Hülle, die man an- und abstreift so wie es gerade passt, sondern etwas das wächst und sich entwickelt. Von daher wird das Linuxgeschäft künftig auch ein Teil dieses Blogs bleiben, aber nicht der einzige Lebenszweck des Blogs werden. Auch wird nicht zu befürchten sein, dass ich die Seite so von heute auf morgen schließen werde, denn zu sagen gibts immer noch genug ;)

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Jun 06

Von einem der auszog Linux zu lernen Teil 10

computer

Was in der Windowswelt meißtens mit dem Kauf einer neuen Maschine verbunden ist, wird unter Linux auch schon mal on the fly in kurzen Abständen gemacht … das Upgrade auf eine neue Version.

Unter Linux gibt es hierzu 3 vorherrschende Philosophien:
1. Neuinstallation der Software’
2. Paketupgrade der Distribution
3. Rolling Release

Jede dieser drei Varianten hat ihren Charme und ihre Tücken. Linux Mint kann über die Wege 1 und 2 geupdatet werden und die Debian Edition von Mint wird im Debianüblichen Rolling Release ausgeliefert. Für mein Upgrade auf die Version 1 entschieden, wozu ich gleich noch etwas sagen werde.
Wie aber sieht es mit den anderen beiden Versionen des Upgrades aus. Ein Rolling Release ist schon eine feine Sache, denn nach der ursprünglichen Installation kommt die neue Version wie ein handelsübliches Bugfix auf den Rechner. Man muss sich also in der Theorie nie wieder um eine Installation kümmern. Die Praxis zeigt aber, dass einer der Nachteile eine Rolling Releases ist, dass er einem hinterher den Rechner in rauchenden Trümmern hinterlässt. Die meisten Rolling Distributionen fixen solche Probleme allerdings schnell und zum Glück auch nicht häufig vor, aber dennoch sollte man bei einem Rolling Release ein aktuelles Backup haben.
Das Paketupgrade verhält sich hier ähnlich, nur muss der Anwender händisch eingreifen. Er muss die einzelnen Software Reposiories seiner Distibution auf den neuen Release schwenken und das Update durchführen. IM Fall von Linux Mint würde das aber bedeuten, dass man man sich hier mit 3GB unkomprimierten Daten vollsaugt. Bei einer VDSL Leitung mag das kein Problem sein, aber an einem eher schmalbandigen Anschluß sollte man sich das zweimal überlegen.

Die von Linux Mint präferierte Methode ist das Upgrade durch Neuinstallation. Hierzu stellt Mint zwei nette Tools bereit, die einem durch den Prozess helfen, die Softwareliste und das Backuptool. Die Softwareliste ist dahingehend nützlich, weil sie einen Auszug aller mit APT installierten Pakete enthält, die man dem Rechner nach dem Update vorwirft und dieser installiert nun fröhlich alle Pakete wieder auf dem Rechner und braucht da keinen Neustart oder wildes CD Gewechsle.
Das Backuptool von Mint ist recht einfach gehalten. Man wählt einen Quell- und einen Zielordner und pumpt dann die Daten dorthin. Für eine entsprechende Aktualisierung sorgt eine Checksummenprüfung, die bei Unterschieden eine bestimmte Handlungsweise ausführt. Mir persönlich war das Tool allerdings zu langsam und ich habe über manuelle Copyjobs gearbeitet.

Nachdem nun diese Infos an Bord sind und die Daten trocken und sicher auf einem anderen Medium liegen, kann man den Update Prozess starten. Das System bootet von DVD hoch und geht in den bekannten Live Modus. Hier kann man schon einmal die generelle Kompatibilität seiner Maschine austesten. Mit dem Installbutton kommt man dann zum eigentlichen Upgrade. Hier stellte es sich als gute Wahl heraus, dass ich /home in eine eigene Partition verfrachtet hatte.
Im manuellen Partitionsmodus ließ sich diese Partition mit 3 Klicks wieder einhängen und stand nach dem Update mit allen Programmen und Konfigurationseinstellungen wieder zur Verfügung.
Nach erfolgter Installation gab ich dem OS die Softwareliste zu futtern und diese installierte nahezu alle meine Programme wieder so wie sie vorher waren. Die einzige Ausnahme bildeten TS3 und Crossover, aber diese waren auch von mir händisch installiert worden. Alles in allem stand mein System nach gut 30-45 Minuten ohne Datenverluste wieder zur Verfügung … im zweiten Anlauf.
Beim ersten Anlauf hängte sich der Installer bei der Keyboadlayout Funktion auf und startete das Update nicht. Meine / Partition hatte es zwar zerfressen, aber die Daten auf /home waren dadurch nicht beschädigt worden. Dennoch muss ich wohl Rotz und Wasser geschwitzt haben, denn das süffisante Grinsen meiner Frau sprach Bände (das hat man davon, wenn man das OS mal eben nebenher während des Frühstücks updaten will).
Ales in allem ist ein Linuxupgrade nach diesem Schema nicht sehr kompliziert, wenn man weiß was man tut. Das Wissen darum zu erlangen ist auch kein Hexenwerk, denn ausführliche Guides stehen für die jeweilige Distribution im Internet bereit.

Hat sich das Upgrade auf Mint 15 gelohnt? Ich würde mal behaupten ja. Die neuen Systemverwaltungstools leisten gute Dienste und die neuen Customising Optionen sind netter Eyecandy, mit dem man nett herumspielen kann. Dazu ein 3.8er Kernel sowie die aktuellen Versionen der Standardsoftware runden das Paket ab.
Das OS läuft auf meiner Maschine sehr stabil und nach dem Austausch von Nemo gegen 4Pane als Dateimanager bin ich eigentlich mit dem Doing glücklich.
Was mich ein wenig nachdenklich gestimmt hat, waren allerdings die Probleme beim Shutdown des Systems. Bei jeder zweiten – dritten Nutzung hing sich das System im Shutdown auf und es half nur noch hartes ausschalten. Auf die Dauer ist das natürlich nicht unbedingt eine Lösung. Diese fand sich wiederrum durch Zufall dann doch. Mint setzt auf Splashscreens und grafische Bootprozesse. Das ist nett, für den der es mag zumindest, aber für mich als paranoide Person absolut unnötig. Ich werde eher unruhig wenn ich auf einen sich nicht bewegen Bildschirm starre und mich frage, ob das System überhaupt noch arbeitet oder nicht. Daher habe ich im Grub die grafischen Optionen deaktiviert und die Console Boot Option aktiviert. Ich bekomme nun jede Menge Infos während des Bootens zu sehen und kann mir ein Bild über den Fortschritt machen. Ganz nebenbei hat diese Aktion dafür gesorgt, dass die Shutdownhänger verschwunden sind. So wie es aussieht gibt es da wohl noch eine Issue. Mal sehen was Clem rausbekommt.

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