
Ich erinner mich noch ziemlich gut an den Sommer 1999. Ich war Museumsführer auf der Star Trek World Tour und ich hatte als Aufhänger für die Führung den Einfluß von Star Trek auf das wirkliche Leben gewählt. Zu der Zeit war das Motorola Star Tek gerade ungeheuer Hip und jeder Star Trek liebte das Communicator Design wie verrückt.
Passenderweise befanden sich am Eingang der Ausstellung diverse PADD Varitionen bei denen ich darüber sinnierte wie sich die Computerminiaturisierung entwickeln könnte und damit einmal mehr Star Trek unser Leben veränderte.
Heute im Jahr 2012 sitze ich morgens im Bus und mindestens 5 andere sitzen mit gebeugtem Kopf in der Nähe und Wischen, Drücken und Drehen was das Zeug hält. Mit dem Smartphone (und jüngst der neuen Generation Tablets) hat die PADD Entwicklung schließlich ihren Weg von Star Trek in das reale Leben gefunden. Die moderne Kommunikation an den Fingerspitzen, jederzeit voll vernetzt und informiert, sollte doch eigentlich für einen Geek wie mich das neue Paradies sein. Seltsam, dass ich immer noch ein Mobiltelefon habe, das genau dies ist, nämlich ein Telefon und bei Bedarf SMS Schreiber und mehr nicht.
Ich will den Geräten nicht ihren potentiellen Nutzen absprechen, aber wenn man einmal ehrlich ist, dann hat der Mensch des 21.Jahrhunderts anscheinend bei Weitem noch nicht die Reife erreicht, die ein Jean Luc Picard im 24. haben sollte, wenn er mal wieder lässig ein PADD mit Berichten auf den Tisch scheppern ließ.
Was ist hier falsch gelaufen? Wieso lesen wir nicht große Weltliteratur auf den Geräten, sondern ballern einer Horde Schweine lieber ein paar Vögel um die Ohren? Wieso müssen wir allen und Jedem zu jederzeit sagen, was wir gerade machen, essen, verdauen oder ausscheiden?
Ich denke Smartphones (besonders wenn in Kombination mit sozialen Netzwerken genutzt) sind mehr eine moderne Plage statt eines echten Fortschritts. Ich möchte aus der Haut fahren und einen Vorschlaghammer auf die Dinger anwenden, wenn ich mich mit Leuten treffe und diese statt der anwesenden Gruppe die Hauptaufmerksamkeit auf ihr Smartphone richten. Da werden permanent Statusupdates und Bilder gepostet und permanent mit Leuten online gechattet, während die anwesenden Personen hinter einer Mauer des elektronischen Gesummes verschwinden.
Wenn man dann den Smartphoneuser noch bittet sein Gerät vielleicht mal beiseite zu legen kann man sich mit hoher Wahrscheinlichkeit einen ziemlich eingeschnappten Monolog anhören.
Übertreibe ich? Vielleicht, aber allein in meinem Bekanntenkreis gibt es mindestens 6 Leute, die sich mal überlegen sollten, ob ihr Smartphone und Facebook nicht eine unheilige Allianz sind und sie selbst etliche Anzeichen von Suchtverhalten zeigen.
Bei solchen Gelegenheiten frage ich mich dann immer wozu ich mich noch mit diesen Leuten treffe, denn ich würde warscheinlich eher eine Antwort bekommen, wenn ich mich mit ihnen in einem Facebookchat treffen würde, als real anwesend zu sein.
Ich weiß die Möglichkeit, jederzeit mit Personen die mir wichtig sind, zu kommunizieren, aber wie einfach Leute in so einer Situation bereit sind jegliche gute Manieren über Bord zu werfen, finde ich dann doch schon wieder sehr beeindruckend. Das Hauptproblem liegt meines Erachtens vor allem darin, dass dies alle so subtil geschieht und erstmal keinen wirklichen Einfluß hat. Der Prozess ist ziemlich schleichend und baut sich stetig auf, bis man dann irgendwann vollkommen drin hängt. Durch die geschickte Herstellertaktik, dass sich viele Smartphones und Tablets heutzutage schon gar nicht mehr richtig abschalten lassen, wird diese Situation noch verschäft und dann noch schnell eine kleine App untergeschoben und die Mauer steht.
Vielleicht sollte man doch mal wieder dem Vorschlag dieses Herren folgen



















